Antrag zu TOP 10.2 der Sitzung des Rates am 04.07.2018

Antrag zu TOP 10.2 der Sitzung des Rates am 04.07.2018

Sehr geehrte Frau Mielke-Westerlage,

die Ratsfraktion Unabhängige Wählergemeinschaft Mehr-Meerbusch stellt folgenden

Antrag zu TOP 10.2:

Die von der Stadt Krefeld und der Stadt Meerbusch geplante gemeinschaftliche Entwicklung eines interkommunalen Gewerbegebietes entlang der BAB 44 wird aufgegeben.

Begründung:

Die UWG hat sich von Anfang an gegen das geplante interkommunale Gewerbegebiet ausgesprochen. Das Projekt ist völlig überdimensioniert und führt zu einer Verschandelung der Landschaft. Der gigantische Landschaftsverbrauch geht zu Lasten künftiger Generationen. Es werden landschaftlich kostbare Freiräume und fruchtbarer Lehmboden dauerhaft versiegelt und unwiederbringlich zerstört.

Die Architektur und der Zustand von Gewerbegebieten, die in die Jahre gekommen sind, kann man überall im Ruhrgebiet überdeutlich sehen.

Das PKW-Aufkommen und insbesondere der LKW-Güterverkehr werden dramatisch zunehmen. Trotz entsprechender Verkehrsbeschilderung wird  ein Teil  der  LKW´s  verbotswidrig durch  den  Stadtteil

Osterath fahren, wie wir es von Lank her kennen.

Es  bestehen  erhebliche  finanzielle  Risiken,  da  aufwändige  Erschließungsmaßnahme  vorfinanziert werden müssen. Die benötigten Flächen für 10,00 €/qm erwerben zu können, dürfte ein frommer Wunsch bleiben. Mit der Veräußerung von erschlossenen Gewerbegrundstücken können keine Gewinne erzielt werden, sondern vielfach Verluste.

Es bleibt allein die Hoffnung, Betriebe ansiedeln zu können, die erfolgreich sind und Gewerbesteuer zahlen. Auch diese Betriebe unterliegen wirtschaftlichen Veränderungen, die dazu führen können, dass ein zunächst erfolgreiches Unternehmen keine oder nur geringe Gewerbesteuer zahlt. Hierzu gehören auch steuerliche Vermeidungsstrategien.

Es ist ein kostenintensiver bürokratischer Wasserkopf geplant, der das interkommunale Gewerbegebiet verwalten soll. Was passiert, wenn die Vermarktung nur schleppend erfolgt und mit Leerständen zu rechnen ist? Um dies zu verhindern und um Erfolge nachzuweisen, wäre man gezwungen, Gewerbebetriebe, hier z.B. Logistikunternehmen etc., anzusiedeln, die man sich nicht gewünscht hat, die aber am Markt nachgefragt werden.

Schließlich bedeutet dieser Wasserkopf nur eine eingeschränkte Kontrollmöglichkeit durch den Rat.

Es war vereinbart, dass im Rahmen eines gemeinsamen Antrages alle Fraktionen auf das interkommunale Gewerbegebiet verzichtet werden sollte. Dies war der gemeinsame Konsens.

Nunmehr meint die CDU, sich nicht mehr an diese Vereinbarung halten und auch nicht mitteilen zu müssen. Vielmehr erfolgt eine Rolle rückwärts, indem man zunächst ein kleineres interkommunales Gewerbegebiet entwickeln will, und zwar mit den Stimmen der SPD.

Was bedeutet das?

Letztlich soll durch die Hintertür das ursprünglich geplante, große interkommunale Gewerbegebiet von über 120 ha mit allen oben schon genannten Nachteilen geschaffen werden soll!

Heinrich P. Weyen                                                           Daniela Glasmacher

Ratsmitglied                                                                    Ratsmitglied

 

Presseinformation

Statement von Dieter Schmoll, Dipl.-Ing.Architekt und Städteplaner sowie Mit- glied der UWG und Mitglied des Bau- und Umweltausschusses der Stadt Meerbusch

Gewerbegebiet Meerbusch-Krefeld

Gigantischer Landschaftsverbrauch

Meerbusch, 19. Februar 2016. Für den langjährig erfahrenen Architek- ten und Städteplaner Dieter Schmoll (64) ist das zurzeit von der Stadt- verwaltung favorisierte Gewerbegebiet von Meerbusch und Krefeld an der A44 ein „interkommunales Monster“. Als Mitglied der Unabhän- gigen Wählergemeinschaft sowie des Bau- und Umweltausschusses
15 der Stadt Meerbusch spricht er sich vehement gegen das aus seiner
Sicht völlig überdimensionierte und landschaftsverschandelnde Pro- jekt aus.

„Bei dem geplanten Gewerbegebiet Meerbusch Krefeld im Umfang von 121 Hektar handelt es sich um eine fatale Fehlplanung, die sich allein durch den Verweis auf – überdies sehr ungewisse – Gewerbe- steuereinnahmen nicht rechtfertigen lässt.“, so Dieter Schmoll. „Wir würden im Norden unserer Stadt landschaftlich kostbare Freiräume bestehend aus fruchtbarer Lehmlöserde der Jülicher Börde dauerhaft versiegeln und zugunsten einer krassen, überdies hässlichen Zersied- lung unwiederbringlich zerstören. Das wäre ein unverantwortlicher gigantischer Landschaftsverbrauch auf Kosten künftiger Generatio- nen.“

30 Argumente im Einzelnen, die aus UWG-Sicht die Fehlplanung des neuen Gewerbegebietes unterstreichen und gegen seine Realisierung sprechen:

Kurzsichtigkeit – Die Planung eines verkehrstechnisch vor allem von der Autobahn durch LKW-Güterverkehr erschlossenen Gewerbe- gebiets Meerbusch- Krefeld stellt eine isolierte kurzsichtige Betrach- tungsweise dar, denn es nimmt bisher keinerlei Bezug zu dem parallel vom Land NRW fest geplanten Ausbau des „Eisernen Rheins“, einer traditionellen Güterbahnlinie, mit der eine deutliche Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Binnenschifffahrt und die Schie- ne angestrebt wird. Dieser traditionellen Bahntrasse, die Waren aus dem Ruhrgebiet und Köln zum Antwerpener und Rotterdamer Hafen transportiert, wird vom Land NRW eine zentrale Bedeutung beige- messen, weshalb sie ausdrücklich wiederbelebt und ausgebaut werden soll.

45 Finanzielles Risiko – Die UWG stellt den Bedarf eines erneuten Ge- werbegebiets in Meerbusch, noch dazu eines derart großen, grundsätz- lich in Frage. Die bisher immer noch ungenutzten freien Kapazitäten an attraktiven Gewerbeflächen im Mollsfeld und dem Böhler Areal sprechen eine andere Sprache. Es steht daher in keiner Weise fest, ob sich in einem neuen Gewerbegebiet überhaupt eine ausreichend große
Zahl von Betrieben ansiedeln ließe und nicht Leerstände vorproduziert sind. Zudem müsste die Stadt Meerbusch erheblich ins Risiko gehen und teils aufwändige Erschließungsmaßnahmen vorfinanzieren. Dro- hende Leerstände würden auch deren Refinanzierung gefährden und könnten demzufolge einen Unterbietungswettbewerb bei den Mieten auslösen, bei dem die Städte Krefeld und Meerbusch jeweils Betriebe in ihr Stadtgebiet locken wollen, um die Gewerbesteuereinnahmen für sich zu erzielen.

Emissionen – Die Bürger von Meerbusch sind bereits stark belastet
60 durch die Emissionen des Flugverkehrs vom Düsseldorfer Flughafen und der umgebenden Autobahnen. Das erwartbar höhere Verkehrsauf- kommen durch ein weiteres Gewerbegebiet im Norden wird sich zu- sätzlich belastend auf das Straßenverkehrsnetz im gesamten Raum Meerbusch auswirken. Im Gegenteil wäre daher eher der Ausbau wei- terer grüner Lungen wie zusätzlicher Waldbereiche nötig, statt ver- bliebene Kulturlandschaften großflächig zu versiegeln.

Ästhetik – Wollen wir für unseren Meerbuscher Norden eine ähnliche Zersiedlung zulassen wie bei vielen Städten im Ruhrgebiet, die an ih- ren Rändern lieblos und planlos bis zur Unkenntlichkeit ihrer Identität ineinander übergehen? Die Lieblosigkeit der Architekturen in solchen Gewerbegebieten ist ja bekannt. Man denke nur an die monotonen Logistikhallen mit menschenleeren automatisierten Hochregallagern drinnen und tristen Wellblechfassaden draußen, die dann weithin sichtbar das Landschaftsbild prägen: Maßstabslose Bauriegel,
75 200 Meter lang, 50 Meter breit, 20 Meter hoch, vor die man dann aus
Scham kleine Bäumchen setzt.

505 Wörter • 3.939 Leerzeichen (inkl. Leerzeichen) Abdruck honorarfrei • Belegexemplar erbeten

Dieter Schmoll (64), verheiratet, Vater von zwei Töchtern, ist Meerbuscher Bürger seit 1995. Schmoll engagiert sich als sachkundiger Bürger und UWG- Mitglied für die Stadtentwicklung von Meerbusch und ist auch Mitglied im Bau- und Umweltausschuss von Meerbusch.
Als Dipl.-Ing. Architekt, realisierte er u. a. als einer der Spezialisten für
Handelsarchitektur bei Rhode Kellermann Wawrowsky RKW Architektur und Städtebau, Düsseldorf eine Vielzahl von Handelsgebäuden in über 30 Jahren. Nach dem Architekturstudium von 1970 bis 1976 an der RWTH Aachen erhielt er als Jahrgangsbester den Preis der Hünnenberg Stiftung und gewann den Bundeswettbewerb ‚Wohnen in städtebaulicher Verdichtung’. Bevor er 1980 zu Rhode Kellermann Wawrowsky kam, war er u. a. Mitarbeiter von Prof. Wolfgang Döring sowie von Hentrich, Petschnig und Partner. Dieter Schmoll wurde 1986
RKW-Partner und ist dort seit 1998 geschäftsführender Gesellschafter. 2013 erhielt er für das Milaneo, Stuttgart, den MIPIM-Award in der Kategorie ‚Best Mega Future Project’.

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